Süßwasserfische der Mittelmeerregion in der Klimakrise

(18.01.2019) Viele Süßwasserfische Europas sind durch den Klimawandel zukünftig stark bedroht.

Dies gilt insbesondere für Arten in der Mittelmeerregion, so die aktuellen Ergebnisse eines internationalen Forscherteams, u.a. vom IGB, der Universität Girona in Spanien, des norwegischen Forschungszentrums NORCE und der tschechischen Akademie der Wissenschaften.

Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Fische in Binnengewässern haben in Zeiten des Klimawandels mit ganz besonderen Herausforderungen zu kämpfen: Trockenfallende Gewässer, schwankende Wasserstände und vor allem steigende Wassertemperaturen werden vielen Arten in Zukunft zu schaffen machen – die Fischvorkommen schrumpfen, Fischarten sterben aus.

Laut Roter Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature) ist etwa ein Drittel der Süßwasserfischarten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Damit gehören Süßwasserfische zu den am stärksten gefährdeten Arten weltweit.

Ein internationales Forscherteam um Ivan Jaric – Wissenschaftler an der tschechischen Akademie der Wissenschaften – untersuchte, welche Arteigenschaften mit der Sensibilität für den Klimawandel einhergehen.

Die Studie wurde im Fachjournal Global Change Biology veröffentlicht. „Die drohende Krise in den Binnengewässern lässt sich nicht durch eine Fangquote lösen. Management- und Schutzprogramme der Fischvorkommen in Europa müssen die zukünftigen Veränderungen  der Lebensbedingungen berücksichtigen.

Dabei gilt es, Regionen und Arten zu identifizieren, auf die der Klimawandel besonders einwirkt“, so erklärt Jaric den Forschungsansatz des Teams.

Insgesamt analysierten die Forschenden 443 verschiedene europäische Süßwasserfischarten. Das Team stellte anhand der Daten eine Liste mit besonders empfindlichen Fischarten zusammen.

Demnach sind in Europa vor allem Arten vom Klimawandel bedroht, die in der Mittelmeerregion leben. Fische in extremen Lebensräumen, die durch Hitze und Trockenheit charakterisiert sind, zeigen sich besonders anfällig gegenüber einer weiteren Verschärfung der Lebensbedingungen.

Die „Top Ten“ der bedrohten Süßwasserfischarten in Europa kommen vor allem aus Griechenland, aber auch aus Spanien oder Portugal.

Außerdem haben die bedrohten Fische auf der Liste meist eine geringe kommerzielle und fischereiliche Bedeutung.

„Die empfindlichsten Arten haben oft eine geringe Körpergröße, gehören zu den seltenen Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet und haben daher nicht unbedingt eine direkte wirtschaftliche Relevanz.

Sie spielen mitunter aber eine wichtige Rolle in den Nahrungsnetzen und in den Ökosystemen. Ich würde mir wünschen, dass Managementmaßnahmen nicht nur die Fischerei, sondern den Erhalt der Lebensgemeinschaften und der komplexen Leistungen für Natur und Mensch im Fokus haben“, so Gregor Kalinkat, IGB-Forscher und Mitautor der Studie.

Die Ergebnisse sind ein eindeutiges Signal dafür, Maßnahmen für den Schutz von durch den Klimawandel bedrohten Fischen in Europa besonders auf die Mittelmeerregion zu konzentrieren.

Publikation

Jarić I, Lennox RJ, Kalinkat G, Cvijanović G, Radinger J.
Susceptibility of European freshwater fish to climate change: Species profiling based on life‐history and environmental characteristics
Glob Change Biol. 2019;25:448–458


Artikel kommentieren

Weitere Meldungen

Dorschlarven; Bildquelle: Flemming Dahlke

Klimaflüchtling Kabeljau

Hohe Wahrscheinlichkeit für Verlust von Laichgebieten bei mehr als 1,5 Grad Erwärmung
Weiterlesen

Gut gefüllte Heringsnetze in der westlichen Ostsee werden immer seltener, da sich die Bestände Klimawandel-bedingt nicht ausreichend vermehren.; Bildquelle: Thünen-Institut / D. Stepputtis

Der Hering in der Klimafalle?

Ankündigung des nächsten „Warnemünder Abends“ am 12. Juli 2018 am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW)
Weiterlesen

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Meerestiere folgen seit Jahrmillionen ihrem bevorzugten Klima

Die gegenwärtige globale Erwärmung hat weitreichende ökologische Auswirkungen, auch auf die Weltmeere. Die Wanderung vieler Meeresorganismen in Richtung der Pole ist eine klare Antwort darauf
Weiterlesen

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Klimawandel bewirkt auch regional höhere Artenvielfalt

Die Artenvielfalt im Meer wird sich zukünftig erhöhen – allerdings nur in einigen Regionen. Andere Lebensräume hingegen werden ihre Artenvielfalt verlieren
Weiterlesen

IPCC

Klimawandel: große Verluste bei den weltweiten Fischfängen

Schon bei einer Erwärmung um 2 °C über das vorindustrielle Niveau bis 2050 ist mit jährlichen Gesamtverlusten bei den weltweiten Fischfängen im Wert von 17 bis 41 Milliarden US-Dollar zu rechnen
Weiterlesen

Dreistachlige Stichlinge (Gasterosteus aculeatus), die im Zuge der Studie aufgewachsen sind; Bildquelle: Tina Wagner / Alfred-Wegener-Institut

Stichlingsweibchen stimmen Nachwuchs auf Klimawandel ein

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben erstmals nachgewiesen, dass Dreistachlige Stichlinge aus der Nordsee Informationen über ihre Lebensbedingungen und Umwelt auch ohne Genveränderungen an ihren Nachwuchs weitergeben
Weiterlesen

Dorsche im Forschungsbecken; Bildquelle: Felix Mark, Alfred-Wegener-Institut

Klimawandel: Stress für den Kabeljau?

Meeresbiologen starten neues Forschungsprojekt zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den begehrten Speisefisch
Weiterlesen

Gruppenbild der Teilnehmer am Symposium Pathogene Vibrio spp. in Nordeuropäischen Gewässern; Bildquelle: Hils/BfG

Pathogene Vibrio spp. in Nordeuropäischen Gewässern

Das internationale Symposium „Pathogene Vibrio spp. in Nordeuropäischen Gewässern“ fand am 31. Mai und 1. Juni 2012 in der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) statt
Weiterlesen