Wirksamer Schutz vor dem Rindervirus BVDV ist möglich

(28.11.2018) Die Bovine Virus Diarrhoe (BVD), verursacht durch das BVD-Virus (BVDV) ist eine weltweit verbreitete und gefährliche Rinderkrankheit, die zum Tod der Tiere führen kann.

Doch das müsste nicht sein, wie eine aktuelle Studie der Vetmeduni Vienna zeigt. Mit dem richtigen Einsatz der zur Verfügung stehenden Maßnahmen sind große Erfolge im Kampf gegen das Rindervirus BVDV bis hin zur Ausrottung der Krankheit möglich.

Die Bovine-Virusdiarrhoe ist eine infektiöse Tierkrankheit mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen und globalen wirtschaftlichen Auswirkungen: Einerseits entstehen durch hohe Krankheits- und Sterberaten, erhöhte vorzeitige Keulung und verminderte Fortpflanzungsleistung der infizierten Tiere direkte Kosten.

Andererseits führt der erhebliche Aufwand zur Kontrolle von BVDV-Infektionen zu beträchtlichen indirekten Kosten.


Die für Rinder gefährliche Krankheit Bovine Virus Diarrhoe (BVD) könnte mit einheitlichen Maßnahmen langfristig ausgemerzt werden

Vor diesem Hintergrund veröffentlichten Forscherinnen und Forscher der Vetmeduni Vienna kürzlich eine Meta-Analyse bestehender Studien, um die räumliche und zeitliche Verteilung der weltweiten BVDV-Krankheitshäufigkeit, der Risikofaktoren sowie der Effekte von Impfungen und Ausrottungsprogrammen darzustellen.

Die Analyse des Forschungsteams der Vetmeduni Vienna zeigt große Unterschiede in der Häufigkeit des Auftretens von BVD, sowohl innerhalb als auch zwischen den untersuchten UN (United Nations)-Regionen, wobei in allen UN-Regionen während der letzten Jahrzehnte ein erfreulicher Rückgang der BVD-Häufigkeit zu beobachten war.

Diese neuen Informationen sind auch deshalb wertvoll, weil in einer globalisierten Welt der internationale Handel mit lebenden Tieren auf der Tagesordnung steht und daher sichergestellt werden muss, dass ansteckende Krankheiten wie BVD nicht über Grenzen hinweg verbreitet werden.

Ausrottung von BVDV ist möglich

Laut der ersten zur Prävalenz von BVDV-Infektionen in der globalen Rinderpopulation durchgeführten Meta-Analyse liegt die Ursache für die unterschiedliche Krankheitshäufigkeit von BVD vor allem am unterschiedlichen Einsatz von Kontroll- und Eradikationsprogrammen (einschließlich Impfungen).

So weisen Länder, die Bekämpfungsprogramme eingeführt haben, im Vergleich zu Ländern ohne derartige Maßnahmen eine im Durchschnitt 1,5-fach niedrigere BVD-Krankheitshäufigkeit auf Tier- und Herdenebene auf.

Diese Maßnahmen sind teilweise sogar so erfolgreich, dass Länder wie Schweden, Finnland und Norwegen das BVDV vollständig ausgerottet haben. In einigen Ländern ist die BVD-Bekämpfung bereits so weit fortgeschritten, dass – wie etwa in Österreich - auf Stichprobenuntersuchungen umgestellt werden konnte.

Auf die Frage, warum nicht in allen Ländern ein flächendeckendes BVD-Bekämpfungsprogramm eingeführt wurde, antwortete Beate Pinior, Institut für Öffentliches Veterinärwesen der Vetmeduni Vienna, die die Studie gemeinsam mit einem Forscherteam der Vetmeduni Vienna erstellte: „Es gibt dafür mehrere Gründe: Es existiert keine internationale Rechtsgrundlage, die eine BVDV-Bekämpfung vorschreibt.

Die Eradikation von BVDV ist langwierig und mit einem hohen Ressourceneinsatz verbunden. In vielen Ländern liegt der Schwerpunkt in der Tierseuchenbekämpfung noch auf Krankheiten, die auf den Menschen übertragen werden; sie stellen kaum Mittel zur gezielten Bekämpfung einer Tierkrankheit ohne zoonotisches Potential zur Verfügung.“

Meta-Analyse hilft im weltweiten Kampf gegen BVDV

Die vorliegende Studie der Vetmeduni Vienna unterstreicht auch die Notwendigkeit international vergleichbarer epidemiologischer Studien zur Information von politischen EntscheidungsträgerInnen.

Dazu Beate Pinior: „Die vorgestellten Daten sind insbesondere für die Veterinärbehörden von Bedeutung, weil sie die weltweite BVD-Verteilung und die potenziellen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krankheit sichtbar machen. “

Gefährliche Durchfallerkrankung bei Rindern

Das bovine Virusdiarrhoe-Virus, kurz BVDV, verursacht eine tödlich verlaufende Durchfallerkrankung bei Rindern, besonders Kälbern und Jungrindern. Das Virusreservoir von BVDV sind persistent infizierte (PI) Tiere, die während ihres gesamten Lebens große Mengen des Virus ausscheiden und keine Antikörper gegen BVDV entwickeln.

„Die Infektion eines Rindes während der Trächtigkeit mit dem BVDV kann zur Geburt eines nicht immunkompetenten PI-Tieres führen. Diese PI-Tiere verbreiten die Infektion.“, so Pinior.

Weltweit 325 Studien wurden in die Meta-Analyse einbezogen

Insgesamt wurden in die Meta-Analyse 325 Studien aus 73 verschiedenen Ländern (für 10 UN-Regionen) aus dem Zeitraum 1961 bis 2016 einbezogen. Die Mehrzahl der Studien wurde auf regionaler Ebene (77,02%), gefolgt von nationaler Ebene (13,04%) und Betriebsebene (9,94%) durchgeführt.

Die Prävalenzen von persistenten BVDV-Infektionen reichten laut der Meta-Analyse von niedrig (≤ 0,8% Europa, Nordamerika, Australien), mittel (> 0,8% bis 1,6% Ostasien) bis hoch (> 1,6% Westasien).

Publikation

Der Artikel „A meta-analysis of bovine viral diarrhoea virus (BVDV) prevalences in the global cattle population“ von Bettina Scharnböck, Franz-Ferdinand Roch, Veronika Richter, Carsten Funke, Clair L. Firth, Walter Obritzhauser, Walter Baumgartner, Annemarie Käsbohrer und Beate Pinior wurde in Nature Scientific Reports veröffentlicht.
https://www.nature.com/articles/s41598-018-32831-2



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